Labin liegt im Osten Istriens, wo der ältere Stadtteil über den neueren Vierteln aufragt. Im historischen Kern treffen enge Gassen, Stadthäuser und frühere Adelssitze aufeinander.
Die
Giuseppina-Martinuzzi-Straße windet sich an diesem Stadtrand entlang zwischen dicht stehenden Häusern und gewölbten Durchgängen.
An ihren Biegungen steht der Palast Franković-Vlačić. Von der Straße aus erschließen ihn gewölbte Durchgänge; seine Fassade mit Balkon und der Innenhof zeigen, wie die Stadthäuser den Raum am früheren Verteidigungsrand nutzten.
Der barocke Palast entstand im 17. Jahrhundert am nördlichen Teil der Stadtmauer. Ein Teil der älteren Befestigungen ist in der Anlage erhalten geblieben, im Erdgeschoss liegt ein offenes Atrium mit Steinfragmenten. Der Weg von der engen Gasse zum helleren Hof zeigt, wie der Palast städtisches Wohnen mit dem älteren Verteidigungsrand verband.
Das Gebäude ist mit Matija Vlačić Ilirik verbunden, der in Labin geboren wurde und als Theologe, Philologe und eine wichtige Stimme der Reformation im 16. Jahrhundert bekannt ist. Im Palast befindet sich die Gedenksammlung für Matthias Flacius Illyricus. Sie zeigt seinen Lebensweg, seine Wirkungsorte und Werke; der Name des Palastes bezeichnet somit sowohl ein historisches Haus als auch den Menschen, der ihm besonderes kulturelles Gewicht verleiht.
Die Sammlung stellt sein heimisches Umfeld, seine Lebensstationen und sein schriftliches Erbe vor. Nach seinem Weggang aus Labin wirkte Flacius in mehreren europäischen Städten und widmete sich der Auslegung der Bibel und der Kirchengeschichte. Zu seinen bekannten Werken zählen der Schlüssel zur Heiligen Schrift, der Katalog der Zeugen der Wahrheit und die Magdeburger Centurien. Die Sammlung erklärt damit, wie ein Mensch aus einer istrischen Stadt an den religiösen und gelehrten Debatten seiner Zeit in Europa teilnahm.
Von der Straßenfassade und einer Gedenktafel gelangt man durch Arkaden zum Atrium. Der Palast lässt sich gut zusammen mit den umliegenden Häusern und dem
Palast Negri betrachten: Wie andere städtische Adelssitze ist er Teil eines dichten, mehrfach umgebauten Stadtgefüges und kein freistehendes Gebäude an einem offenen Platz. Ein Besuch der Sammlung verbindet dann das Steinhaus mit der Person, für die es heute am bekanntesten ist.