Labin ist eine Stadt im Osten Istriens mit einer älteren Altstadt auf dem Hügel und jüngeren Vierteln darunter. Im historischen Teil entwickelten sich Adelshäuser, Kirchen und öffentliche Räume eng nebeneinander.
Zwischen diesen Häusern erlaubt die
Straße des 1. Mai nur kurze Blicke auf einzelne Fassaden.
Neben der
Pfarrkirche Mariä Geburt steht der Palast Scampicchio. Von der Straße aus zeigt sich seine zurückhaltende Fassade, hinter der eine komplexere Geschichte mehrerer verbundener Gebäude liegt.
Der Palast war Wohnsitz der angesehenen Labiner Familie Scampicchio. Die Renaissanceanlage aus dem 16. Jahrhundert umfasst einen Innenhof und eine Verbindung zur älteren Stadtstruktur. An der Fassade ist das Familienwappen erhalten.
Besonders ist die Verbindung zur benachbarten Kirche: Nachdem die Familie Land für deren Erweiterung abgetreten hatte, erhielt sie die Erlaubnis für einen privaten Übergang. Dieser ist nicht bloß ein malerisches Detail über der Straße, sondern zeigt die enge Verflechtung von Adelssitz und Pfarrkirche. Deshalb lohnt es sich, den Palast auch von der Kirche her zu betrachten.
Nach einer Beschreibung des istrischen Kulturerbes waren Familienmitglieder auch mit dem Stadtarchiv verbunden, das im Palast aufbewahrt wurde. Das Gebäude war also zugleich Wohnort und Ort für Dokumente. Von der Straße aus ist sein Verhältnis zur Kirche und zum offenen Stadtraum am leichtesten zu erkennen, während der Innenhof zum weniger sichtbaren Teil der Palastanlage gehört.
Palast und Kirche zeigen gemeinsam, wie wenig Raum zwischen den unterschiedlichen Funktionen der Altstadt von Labin lag. Der Übergang über der Straße griff in den öffentlichen Raum ein, um einen privaten Weg zwischen Wohnung und Gottesdienst zu ermöglichen. Dieser Gegensatz zwischen der öffentlichen Straße unten und der familiären Verbindung oben ist seine aussagekräftigste räumliche Eigenschaft.