Labin liegt im Osten Istriens, wo sich sein historischer Kern über der jüngeren Stadt erhebt. Im oberen Teil setzen sich die Gassen zwischen den Häusern oft als Treppen fort.
Die
Straße des 1. Mai verbindet auf einem kurzen Abschnitt der Altstadt mehrere solche Gebäude.
An dieser Straße steht die Pfarrkirche Mariä Geburt. Treppen führen zu ihrer steinernen Fassade; unmittelbar in der Nähe befinden sich der
Palast Scampicchio, der
Palast Battiala-Lazzarini und die kleinere
Kirche des hl. Stephan.
Nach Angaben des städtischen Tourismusverbands wurde die Kirche 1336 an der Stelle einer älteren kleinen Kirche errichtet. 1582 wurde sie umfassend erweitert und umgebaut, weitere Eingriffe fügten später neue Schichten hinzu; die heutige Gestalt stammt daher nicht aus nur einer Zeit. An der spätrenaissancezeitlichen Fassade blieb eine gotische Rosette erhalten. Darunter wurde 1604 der venezianische Löwe in die Mauer eingelassen, Ende des 17. Jahrhunderts kam eine barocke Büste des Senators Antonio Bollani hinzu. Diese Zeichen erzählen auch vom politischen Umfeld, in dem sich die Kirche veränderte.
Der Innenraum ist dreischiffig. Das Mittelschiff lenkt den Blick zum Hauptaltar, seitlich reihen sich Säulen und Nebenaltäre aneinander, über dem Eingang liegt die Empore. Die Kirche hat sechs Marmoraltäre; Reliquien des hl. Justus wurden im 17. Jahrhundert aus Rom hierhergebracht. Zu den Kunstwerken zählen ein Altarbild von Natale Schiavone, ein Gemälde der Gottesmutter vom Berge Karmel aus dem 17. Jahrhundert, das Palma dem Jüngeren zugeschrieben wird, und ein Kreuzweg des Labiner Malers Valentino Lukas. Diese Ausstattung zeigt, dass die Geschichte der Kirche nicht mit ihrem mittelalterlichen Bau endete.
Vor dem Gebäude trifft die Kirchenarchitektur auf das adelige städtische Umfeld. Der Palast Scampicchio war einst durch einen privaten Übergang mit der Kirche verbunden; der
Glockenturm des hl. Justus steht etwas abseits, beim höchsten Teil der Stadt. Obwohl er von der heutigen Pfarrkirche getrennt ist, markieren Turm und Kirche gemeinsam ihren weiteren sakralen Raum in Labin.
Der Weg von der Fassade ins Innere zeigt den Unterschied zwischen der vergleichsweise schlichten steinernen Außenseite und der reicheren Altarausstattung. Die Kirche ist daher sowohl für das Verständnis des alten Stadtgrundrisses als auch für die Kunst interessant, die sich über Jahrhunderte in ihr sammelte.