Labin ist eine historische Stadt im Osten Istriens; ihr älterer Teil nimmt die Kuppe über den tieferen Vierteln ein. Im dichten Kern liegen frühere Adelssitze, Kirchen und öffentliche Gebäude nur wenige Schritte auseinander.
Im oberen Teil der Altstadt windet sich die
Straße des 1. Mai zwischen großen Häusern und Kirchen. An dem engen Weg erscheinen ihre Fassaden fast unmittelbar nacheinander.
An der Straße steht der Palast Battiala-Lazzarini, nahe der
Pfarrkirche. Seine rote Fassade mit weißen Steinakzenten und blauen Türen gehört zu den leicht erkennbaren Ansichten dieses Stadtteils. Daneben steht die kleinere
Kirche des hl. Stephan.
Die Familie Battiala begann den Bau des barocken Palastes im 17. Jahrhundert; seine markante Fassade erhielt Anfang des 18. Jahrhunderts ihre Gestalt. Später wurde der Name auch mit der Familie Lazzarini verbunden. Das Gebäude nimmt einen großen Häuserblock ein und schließt die benachbarte Kirche des hl. Stephan ein. Hinter dem betonten Eingang liegt ein Atrium mit einer Treppe zum repräsentativen ersten Obergeschoss; die Anordnung des großen Saals und der seitlichen Räume folgt venezianischer Palasttradition.
Seit 1960 befindet sich das Nationalmuseum Labin im Palast. Seine Ausstellung verbindet archäologisches und städtisches Erbe mit der Bergbauvergangenheit des Labiner Gebiets; besonders charakteristisch ist die Nachbildung eines Bergwerksstollens mit Gängen. So wurde aus dem einstigen Adelssitz ein Ort, an dem sich die Geschichte der Altstadt und die Arbeitsgeschichte der Umgebung begegnen. Ein großer Teil der Museumspräsentation widmet sich dem Bergbau, für den die Gegend lange bekannt war.
Das Museum erläutert auch die Republik Labin, eine Selbstverwaltung der Bergarbeiter während des Streiks von 1921. Der nachgebildete Stollen vermittelt einen Eindruck der Arbeitswelt, während Dokumente und Gegenstände von einer Gemeinschaft erzählen, die vom Kohlebergbau lebte. Der Gegensatz zwischen der repräsentativen barocken Fassade und den Themen der Arbeiterschaft im Inneren ist eine Besonderheit der heutigen Palastnutzung.
Nach dem Zweiten Weltkrieg verließen die letzten adeligen Eigentümer aus der Familie Lazzarini den Palast. Die spätere Museumsnutzung öffnete das Gebäude der Öffentlichkeit, ohne seine adelige Architektur auszulöschen. Neben der Treppe und der benachbarten Kirche des hl. Stephan hebt sich die rote Fassade deutlich von den zurückhaltenderen Häusern ab; ein Besuch im Inneren zeigt, warum gerade dieser große Stadtpalast zum Ort für die Geschichte des gesamten Labiner Gebiets werden konnte.